Freaks, Ofenschüsse, Irrtümer: Wochenüberblick

Das Magazin Cicero hat am 21. Juli 2009 ein Interview mit Frontpirat Jens Seipenbusch geführt. Darin macht dieser eine Koalitionsaussage für alle Parteien, spricht über die digitale Revolution, Zensurpolitik und Bürger_innenrechte.

Die taz schrieb am 23. Juli 2009 über die „Wandlung der Freaks“ zu Politaktivist_innen:

Blogger, Hacker und Internetuser mischen sich mehr und mehr politisch ein. Wie konnte aus den eigenbrötlerischen Sonderlingen von früher eine politische Bewegung werden?

Free-Software-Foundation-Gründer Richard Stallman hat sich am 25. Juli 2009 in einem Offenen Brief auf gnu.org zu den Urheber_innenrechts-Reformplänen der schwedischen Piratspartiet geäußert. Er übt darin heftige Kritik. Diese haben vorgeschlagen, das Copyright für die kommerzielle Nutzung von Werken auf fünf Jahre zu beschränken und danach gemeinfrei werden. Dies gehe nach hinten los, und zwar gegen freie Software, so Stallman. Die GNU General Public Licence sowie andere Copylefts erlauben, dass Werke verändert und weitergegeben werden, allerdings unter denselben Bedingungen.

Wie wirkt das Programm der schwedischen Piratenpartei auf per Copyleft lizensierte freie Software? Nach fünf Jahren würde ihr Quelltext gemeinfrei werden und Entwickler_innen von urheberrechtlich geschützter Software könnten sie in ihre Programme einbauen.

Diese sei aber nicht nur durch das Copyright, sondern auch durch private Endnutzer_innenververträge (EULA) geschützt. Diese könnten eine Offenlegung auch nach fünf Jahren noch verbieten. Richard Stallman schlägt daher vor, veröffentlichte Software verpflichtend auf einem Server zu hinterlegen, der diese nach fünf Jahren gemeinfrei zur Verfügung stellt. Dann könne auch eine Fünf-Jahres-Frist für jede Software gelten.

Update (01.08.2009) zu Stallman: Die Piratenpartei Finnlands hat auf Stallman geantwortet. Ich kann kein Finnisch. Aber laut Christian Hufgard halten sie es für nicht notwendig, Software länger als fünf Jahre zu schützen. </Update>

Der Österreichische Rundfunk ORF will heute im sendereigenen Blog Futurezone@ORF mit fünf populären Irrtümern über Piratenparteien aufräumen:

Die Piratenpartei wurde vom Team des umstrittenen Torrent-Trackers The Pirate Bay gegründet. Sie kommt also aus dem Umfeld notorischer Provokateure und Urheberrechtsverletzer.

Die Piratenpartei spricht nur oberflächliche Trendthemen an, die sich so schnell ändern werden wie die Technologie, die sie hervorgebracht hat.

Die Piraten sind raubkopierende Pickelboys, die ihre Luxusprobleme zu grundlegenden Fragen über die Zukunft der menschlichen Gesellschaft hochstilisieren und eigentlich nur gratis Trashfilme und Müll-Pop abgreifen wollen.

Die Piratenpartei ist unnötig. Die traditionellen Parteien haben mehr Macht und Reichweite und nehmen sich ebenfalls auf ihre Weise der Problemstellungen der Informationsgesellschaft an.

Die Piratenpartei ist eine Single-Issue-Protestpartei, der schnell die Luft ausgehen wird.

Die Auflösung gibt’s in der Futurezone@ORF.